Harlekin-Wachteln - klein, aber fein ...

von

Frank Parakenings

 

Einleitung 

Seit mehr als 20 Jahren halte und züchte ich verschiedene Vogelarten (Zebrafinken, Japanische Mövchen, Gould-Amadinen, Diamant-Amadinen, Mozambique-Girlitze, Reisfinken und Kanarienvögel. Seit ungefähr 20 Jahren züchte ich ausschließlich Kanarienvögel. Norwich, Crest, Border und Fife, seit 1997 allerdings nur noch Fife Fancy,  Raza Espanola und einige Seidenhühner.

Seit 1996 habe ich ein eigenes Vogelhaus (Casa canaria) mit angrenzender Außenvoliere vom 4 x 2 x 2 m, in der ich ausschließlich Kanarien-Hähne halte. Die Weibchen haben eine eigene Voliere im Vogelhaus.

Die Außenvoliere ist reichhaltig strukturiert mit frischem Grün, Gräsern, Rindenmulch, Feldsteinen und Sand. Für die Kanarien sind and zwei soliden Wänden Einzelsitze direkt unter dem Dach angebracht, die auch gerne als Schlafplätze eingenommen werden.

Im Frühjahr 2001 fand ich, dass noch irgendein Bodenbewohner fehlt, um die Voliere noch mehr zu beleben. Auf einem Vogelmarkt im April entdeckte ich einen Züchter, der Harlekinwachteln aus Naturbrut anbot, die in einem exzellenten Zustand waren. Das Paar schien vertraut, hatte 2000er Ringe an den Ständern und ein absolut lückenloses und sauberes Gefieder. Kurz: Ich verliebte mich sofort in sie und nahm sie mit zurück nach Berlin.

Die Witterung im April 2001 war recht warm hier in Berlin, sodass ich die Tiere nach zwei Wochen in Quarantäne in die Außenvoliere setzte. Die Tiere waren schon nach zwei Stunden sehr ruhig und suchten den Volierenboden nach Essbarem ab. Meine Kanarien nahmen überhaupt keine Notiz von ihren neuen Mitbewohnern.

Die Wachteln benahmen sich auch sonst sehr ruhig und hatten keine Scheu vor mir, was mir Zeit gab, die Tiere ausgiebig zu beobachten.

Leben in der Natur

Die Harlekinwachtel (Coturnix delegorguei, DELEGORGUE 1847) ist eine kleine afrikanische Wachtel von 15 – 18 cm Größe. Hahn und Henne sind deutlich zu unterscheiden, wobei das Männchen die typische Wachtelmaske sehr kontrastreich ausgeprägt hat und ein dunkelbraunes Gefieder aufweist. Die Henne ist eher unscheinbar graubraun gestreift. Vor allem die Gefiederfarbe des Weibchen stellt eine optimale Anpassung/Tarnung an Steppen- oder Savannengebieten Afrikas, Madagaskars und Arabiens dar Dort lebt sie eher als Nomade denn als Zugvogel, zieht sie doch den Regengebieten hinterher, denn nach einer Regenperiode wachsen neue Gräser und Hirsen. Auch ist nach einer Regenzeit das Angebot an Insekten, Würmern und Schnecken groß, was die hübschen Wachteln unbedingt zur Jungenaufzucht benötigen.

Harlekinwachteln brüten in losen Trupps von 80 und mehr Paaren (grünes Verbreitungsgebiet), allerdings verteidigt jedes Paar ein kleines Revier. Gern brüten die Weibchen in einem flachen Nest im Schutz von Grassoden. Die Männchen bewachen die Weibchen schon während der Balz recht argwöhnisch und vertreiben jeden anderen Hahn ohne Rücksicht auf Verluste. Harlekinwachtel-Hähne sind also recht zänkisch untereinander und können sich brutal verletzen. Findet ein Hahn etwas Fressbares, vor allem kleine Würmer, Spinnen oder Käfer, ruft er sein Weibchen mit einem knurrenden Laut und übergibt sein Werbegeschenk. Er selber frisst dann nur, wenn genug (Lebend-Futter) im Angebot ist.

Das Weibchen brütet meist auf einem Gelege von 5 bis 20 graubraun gesprenkelten Eiern von 28,4 x 22,2 mm Größe. Nach ca. 18 Tagen schlüpfen die kleinen, hummelartigen Küken, die Nestflüchter sind und meist von der Henne sorgsam geführt werden. 

Den Winter verbringen einige Wachteln im blauen Verbreitungsgebiet, sie sind also Teilzieher)

Haltung und Zucht in der Voliere

 Meine Harlekinwachteln lebten sich schnell ein und wurden recht schnell handzahm. Immer, wenn ich in die Voliere kam, kam vor allem das Weibchen sofort zu mir, um einen Mehlwurm aus der Hand zu nehmen. Der Hahn stand dabei meist etwas abseits und wurde nur zögerlich zahm. Meinen Wachteln bot ich Kanarien- und Exotenmischungen an, wobei meine Kanarien die Exotenmischung aus kleinen Hirsen und Negersaat gerne aufnahmen. Die Harlekinwachteln bevorzugten eher die Exotenmischung, naschten aber auch immer am Kanariennapf. Als Grünfutter wurden Brennnessel, Hirtentäschel, Vogelmiere, Tagetes-Köpfe, Löwenzahn, Schafgabe, Taubnessel, Spitzwegerich, Sauerampfer, Zitronen-Melisse, Vergissmeinnicht, verschiedene Gräser, Chicoree-Blätter, Broccoli, Wirsing, Apfel, Erdbeere, Tomate und Johannisbeeren gereicht. Alles in unterschiedlichen Reifezuständen, mal ganze Pflanzen, mal Fruchtstände, mal mit Läusen (Liebstöckel), mal ohne. Die Wachteln probierten fast alles, nahmen aber vor allem Quell- oder Keimfutter auf, das ich mit Trockeninsekten der Firma Claus sowie Mehlwürmern und Wiesenplankton anreicherte. Vor allem Mehlwürmer waren sehr beliebt. Jede einzelne Mehlkäferlarve, wie die „Würmer“ richtig bezeichnet werden müssen, wurde vom Hahn an die Henne verfüttert, was die Paarbindung zu vertiefen schien. Der Hahn ließ nun auch öfter seinen Ruf hören, der recht laut sein kann. 

Ende Mai 2001 begann die Henne damit, Eier wahllos in der Voliere zu (ver)legen. Ich sammelte sie ein und hatte bald so an die 15 Stück. Ich kochte sie und muss sagen, dass sie recht schmackhaft sind, nur die Schale lässt sich nur schwer pellen. Im Juni 2001 änderte sich das Verhalten der Henne. Sie begann damit, Gräser in eine Ecke der Voliere zu bringen. Dazu nahm sie jeweils einen Grashalm in den Schnabel und warf ihn zur Seite. Nach einiger Zeit sammelten sich die Grashalme in einer Ecke der Voliere. Nun begann das Weibchen damit, die Halme um sich zu sortieren. Mit der Zeit baute sie so ein Lockeres Nest, dass vielleicht drei Zentimeter über dem Erdboden ragte. Dort legte sie über sechs Tage jeweils ein Ei, die sie erst richtig fest ab dem fünften Tag bebrütete. Nach 18 Tagen schlüpften vier Küken am Nachmittag.

Während der Brut und auch danach wurde der Hahn aus der Nähe des Nests von der nun sehr aggressiven Henne vertrieben. Jedoch beobachtete das sehr aufmerksame Männchen das Geschen im Nest. Näherte sich das Männchen jedoch auf weniger als 50 cm, attackierte das Weibchen sofort. 

Als die vier Jungen geschlüpft waren, huderte das Weibchen sofort. Die Küken trockneten schnell ab und zu sehen waren am nächsten Tag vier flinke „Hummeln“ auf zwei Beinen. Zu Anfang bewegten sich die Henne mit ihren Küken nur wenig vom Nest weg. Auch schienen die Küken noch gar nicht zu fressen. Erst am zweiten Lebenstag sah ich, dass das Weibchen die Küken mit leisen Lockrufen zum Fressen animierte. Ich hatte etwas Kükenstarter in einem Napf auf den Volierenboden in der Nähe des Nestes platziert, was sowohl die Kanarien als auch die Küken erfreute. Ab dem dritten Tag reichte ich ganz kleine Mehlwürmer, die sofort von der Henne und den Küken aufgenommen wurden. Dabei zeigte die Henne den Küken, wie man zunächst einen Mehlwurm tötet, bevor man ihn verschluckt. Die Küken wuchsen unheimlich schnell heran. Schon ab dem zehnten Tag wechselten sie ihr Gefieder, ab dem 15. Tag konnte ich erkennen, dass es wohl drei Junghähne und eine Henne werden würden. Am 18. Tag beringte ich mit 4,5 mm Ringen, wobei ein Küken den Ring wieder verlor und am 20. Tag nachberingt wurde. 

Mit zunehmender Entwicklung der Küken übernahm der Hahn das Führen der Jungen. Das Weibchen begann mit der zweiten Brut. Mit 35 Tagen habe ich die Küken, es waren tatsächlich drei Hähne und eine Henne von den Alttieren getrennt. Die zweite Brut brachte aus acht Eiern abermals vier Junge. Zwei Junge verklammten  aufgrund der kühleren Temperaturen in diesem Juli/August 2001. Zwei Hennen überlebten aber und wuchsen schnell heran.  

Insgesamt brachte also dieses erste Zuchtjahr meiner Harlekinwachteln 3,3 Jungtiere. Seither züchte ich regelmäßig diese schöne und zutrauliche Zwergwachtelart nach.


0,1 Harlekin auf dem Nest


Harlekin-Küken, ca. 2 Tage alt


0,1 Harlekin mit ca. 6 Tage alten Küken

 

 

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